Wie wir arbeiten, hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Und die ganz großen Herausforderungen liegen noch vor uns. Deshalb braucht es sowohl das Homeoffice als auch den Austausch im Büro, ist Carsten Wiewiorra, Präsident des bunds deutscher innenarchitektinnen und innenarchitekten (bdia), überzeugt. Wir haben mit ihm über gute Teeküchen, lärmschluckende Möbel und Orte der Veränderung gesprochen …
CI-Magazin: In den letzten 25 Jahren haben Sie den Wandel zu New Work, später Homeoffice erlebt. Mittlerweile könnte man fast von einem Shift zurück zum Autoritären sprechen: zunehmend Präsenzpflicht, digitale Kontrollmechanismen und Druck statt kreativer Freiraum.
Carsten Wiewiorra: Ja, Corona hat uns ins Homeoffice verdammt. Aber daraufhin spürten viele Mitarbeitende den Wunsch, ins Büro zurückzukehren. Auch Arbeitgebende möchten ihre Teams zurück ins Büro holen und zusammenbringen. Beim Arbeiten zuhause geht es einerseits um Vertrauen, da ohne Kontrolle gearbeitet wird. Andererseits sollte das messbare Ergebnis guter Leistung zählen. Dafür sind aber auch Kommunikation und Austausch extrem wichtig, wobei die mentale Gesundheit beim Arbeiten nicht zu unterschätzen ist: Wir brauchen diesen menschlichen Kontakt.
Aber lässt sich das erzwingen?
Ich glaube nicht, dass wir vollständig in die alten Office-Strukturen zurückkehren werden. Arbeitgeber stehen weiterhin vor der Herausforderung, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen, zu binden und zu fördern. Dazu gehört auch die Möglichkeit des Homeoffice, in dem viele bei konzentrierten Aufgaben nachweislich produktiver arbeiten. Wir haben ja die absurde Situation, dass auf der einen Seite viele Stellen wegfallen oder abgebaut werden und wir auf der anderen Seite Fachkräftemangel erleben. Auch deshalb gilt es, flexible Arbeitsräume zu schaffen, um attraktiv zu bleiben – etwa für Mütter und Väter, die nachmittags Kinder betreuen und ihre Arbeit dafür in die Abendstunden verlagern müssen. Die Büroräume müssen natürlich entsprechend attraktiv gestaltet sein. Welche Materialien fördern ein gutes Raumklima, welche Arbeitssituationen müssen im Design mitgedacht sein? Und gibt es diese Orte für Austausch und Kommunikation, die so ein wichtiges Argument für das Präsenz-Büro sind? Oder haben wir das nicht? Eine schlecht gestaltete Teeküche ist ein Problem, denn diese kann ein wichtiger informeller Kommunikationsort sein.
